Gesundheitspsychologie - Leitgedanken: Gesundheit positiv und ganzheitlich fördern

5. Psychologie/Gesundheitspsychologie als Gesundheitswissenschaft

Die Psychologie kann als wissenschaftliches Berufsfeld sowie als eine der wesentlichen Gesundheitswissenschaften maßgeblich dazu beitragen, 

  • Gesundheit in der Bevölkerung im positiven und ganzheitlichen Sinne zu fördern,
  • gesunde Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen in der Gesellschaft zu fördern sowie
  • Menschen, die andere Menschen gesundheitlich betreuen (in der Familie, durch ehrenamtliche Tätigkeiten, helfenden Berufen), in Fähigkeiten zu einer ganzheitlichen Gesundheitshilfe fortbilden.

Die Gesundheitspsychologie integriert Fragestellungen und Kenntnisse aus allen Bereichen der Psychologie und aus den Gesundheitswissenschaften, um psychologisch begründete Modelle und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung zu entwickeln und ihre Qualität zu überprüfen. Im Rahmen der Gesundheitswissenschaften hat die Gesundheitspsychologie eine mittlere und vermittelnde Position zwischen Medizin und Theologie bzw. Religionswissenschaften (individuumzentrierte Disziplinen mit den Polen ‘Körper’ und ‘Geist’) sowie zwischen Ökologie und Soziologie (umweltzentrierte Disziplinen mit den Polen ‘Natur’ und ‘Gesellschaft’). Sie hat also ein besonders hohes Integrationspotential im Feld der Gesundheitswissenschaften. Das Tätigkeitsfeld von Diplom-PsychologInnen im gesundheitspolitischen Handlungsfeld der Gesundheitsförderung läßt sich als angewandte Gesundheitspsychologie (wissenschaftsorientierte Formulierung) oder als psychologische Gesundheitsförderung (praxisorientierte Formulierung) bezeichnen. 

Psychologische Gesundheitsförderung - es ist der hier bevorzugte Begriff - bietet Menschen, Gruppen und Organisationen vielfältige psychologische Maßnahmen an, um sie in ihrem Streben zu positiven und ganzheitlichen Gesundheitszielen zu unterstützen und sie zu gesundheitsfördernden Erlebensweisen, Denk- und Handlungsgewohnheiten bzw. zu aktiver regelmäßiger gesundheitsbezogener Selbsthilfe anzuregen. Die Maßnahmen gelten als ‘Hilfe zur Selbsthilfe’; sie dienen nicht zur Diagnose und Therapie von körperlichen und psychischen Erkrankungen; sie ersetzen also keine ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlungen; sie gelten nicht als ‘heilkundliche’ Maßnahmen. Für Maßnahmen zur Gesundheitsförderung können keine ‘Erfolge’ versprochen oder garantiert werden; denn Menschen erreichen positive Gesundheitsziele vor allem durch aktive ‘erfolgreiche’ Selbsthilfe. Maßnahmen der psychologischen Gesundheitsförderung gelten dann als qualitätsmäßig effektiv, wenn durch sie möglichst viele Mitglieder der angesprochenen Zielgruppen zu aktiver regelmäßiger gesundheitsbezogener Selbsthilfe angeregt werden. 

"Psychologinnen und Psychologen sind Fachleute der Gesundheitsförderung für Individuen, Institutionen und soziale Systeme." (So beginnen die "Leitsätze zur psychologischen Gesundheitsförderung" des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen) Sie arbeiten seit Jahrzehnten im Rahmen mehrerer psychologischer Fachrichtungen und in verschiedenen Tätigkeitsfeldern für die Gesundheit der Menschen. Mit ihren Fachkenntnissen und Berufserfahrungen tragen sie als Experten zur Förderung gesunder Lebens-, Lern-, Arbeits- und Umweltbedingungen sowie zur Förderung gesunder Lebensgestaltung von Menschen in ihren alltäglichen sozialen Beziehungen bei. Seit vielen Jahren sind Diplom-PsychologInnen im gesundheitspolitischen Handlungsfeld der Gesundheitsförderung maßgeblich aktiv und haben in verantwortlichen Positionen zu wichtigen Entwicklungen im Bereich des Gesundheitswesens beigetragen. Für alle o.g. Arten von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, seien sie auf Personen, Alltagsgemeinschaften, soziale Strukturen, Bildung, Empowerment und Management orientiert, gibt es fachkompetente PsychologInnen. 

‘Psychologen sind Gesundheitsexperten’; sie sind Experten zur Förderung positiven und ganzheitlichen Erlebens von Gesundheit. GPI möchte dazu beitragen, dieses Image in der Bevölkerung, der Fachwelt und der Gesundheitspolitik mehr zu verbreiten, sozusagen als eine ergänzende und alternative Möglichkeit zum bisher vorherrschenden Image ‘Psychologen als Experten zur Behebung psychischer Störungen’. 

© Maximilian Rieländer